Strukturierte Jobinterviews - Lockerer Pausch vs. eisernes Quiz
Was bringen strukturierte Jobinterviews?

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06.09.2019

Lockerer Plausch oder Kandidatenquiz nach Schema F? Lesen Sie hier, wie Sie mit strukturierten Interviews einen goldenen Mittelweg finden und Ihre Personalauswahl noch treffsicherer machen. 

Früher wurde der Verlauf eines Vorstellungsgesprächs gerne dem Zufall überlassen und anschließend entschied der Chef mit einer Mischung aus Menschenkenntnis und Bauchgefühl, wer das Rennen um den Job gemacht hatte. Doch inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein solches Vorgehen sehr anfällig für persönliche Einflüsse ist und zu einer hohen Fehlerquote bei der Personalauswahl führt. 

Eine gute Alternative stellen strukturierte Jobinterviews dar. Sie können Ihre Personalauswahl noch treffsicherer und objektiver machen. Erfahren Sie hier, worauf Sie dabei achten sollten. 

Was ist ein strukturiertes Interview?

Im Gegensatz zum freien Vorstellungsgespräch wird der Verlauf eines strukturierten Jobinterviews sorgfältig geplant. Ein Leitfaden gibt die Fragen vor. Er wird systematisch von Anfang bis Ende durchgegangen – und das bei jedem Kandidaten in der gleichen Weise. Anschließend werden die Interviews ausgewertet und alle Kandidaten anhand der erreichten Punktzahl in eine Rangfolge gebracht.  

Typisch für strukturierte Interviews sind Fragen, die auf konkrete Problemlösungen zielen. Dabei haben sich zwei unterschiedliche Richtungen etabliert: Im Biographischen Interview orientieren sich die Fragen an der bisherigen Laufbahn des Kandidaten. Eine biographische Frage würde zum Beispiel lauten: „Was haben Sie in Ihrer Position als Verkaufsleiterin getan, um den Umsatz zu steigern?“. Das Situative Interview dagegen geht von fiktiven Situationen aus. Die gleiche Frage würde dann eher so formuliert werden: „Was würden Sie tun, um den Umsatz unserer Produkte zu steigern?“. In der Praxis ist auch eine Kombination beider Verfahren möglich. 

Wenn Sie im Vorfeld eine Ideallösung für jede Problemsituation beschreiben, können Sie anschließend bewerten, wie sehr die Antworten Ihrer Kandidaten damit übereinstimmen. Anhand der erreichten Punktzahl sehen Sie, welcher der Kandidaten Ihren Vorstellungen am ehesten entspricht. Alternativ können Sie die Antworten mit Punkten zum Beispiel zwischen 1 („die Lösung passt leider gar nicht zu unserem Unternehmen und unserer Unternehmenskultur“) bis 10 („genialer Vorschlag – warum sind wir nicht selbst darauf gekommen?“) bewerten und anschließend die Punkte zusammenzählen.  

Wie führt man ein strukturiertes Interview?

Die Kunst des strukturierten Interviews liegt darin, trotz der vorgegebenen Fragen aus dem Gespräch kein stumpfes Frage-und-Antwort-Spiel zu machen. Eine gute Vorbereitung ist dabei das A und O. 

  • Der Fragebogen sollte genau auf die ausgeschriebene Stelle zugeschnitten sein und nicht überfrachtet werden. Beschränken Sie sich auf drei bis fünf Fragen, die möglichst unterschiedliche Aspekte der zukünftigen Aufgabenstellung umfassen.  

  • Rufen Sie sich kurz vor dem Interview alle Fragen in Erinnerung. Im Idealfall dient Ihnen der Leitfaden nur als Erinnerungshilfe. So können Sie trotz der festgelegten Struktur ein natürliches Gespräch in Gang halten.  

  • Bemühen Sie sich während des Jobinterviews um eine wertschätzende und vertrauensvolle Atmosphäre. Dazu gehört auch, dass Sie mit offenen Karten spielen und Ihren Kandidaten schon im Vorfeld erklären, dass Sie ein leitfadengestütztes Interview führen werden.  

  • Erläutern Sie während des Interviews, worauf Sie mit ihren Fragen hinaus wollen. Wenn Ihre Kandidaten Ihre Motivation nicht verstehen, werden sie unsicher und nervös. Das verhindert authentische Lösungsvorschläge. 

  • Hören Sie genau zu und zeigen Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie wirklich an seinen Lösungen interessiert sind.  

  • Haken Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. 

  • Führen Sie strukturierte Jobinterviews im Team. Dann können Sie die Rollen untereinander aufteilen: Einer übernimmt die Gesprächsführung, einer notiert die Antworten. Dabei können Sie sich natürlich auch abwechseln.  

Das Leitfadeninterview sollte immer nur einen Teil des Vorstellungsgesprächs ausmachen. Vor- und hinterher sollte genug Zeit für einen offenen Dialog bleiben, nicht zuletzt, damit auch Ihre Kandidaten die Chance haben, eigene Fragen zu stellen und Ihr Unternehmen kennenzulernen.  

 

Warum ist es sinnvoll, strukturiert zu fragen?

Ein Leitfaden erleichtert es Ihnen und allen Beteiligten, am Ende der Bewerbungsrunde alle Kandidaten miteinander zu vergleichen. Unabhängig von Bauchgefühl, Tagesform und Nasenfaktor können Sie relativ objektiv erfassen, welcher Kandidat für den Posten am besten geeignet ist.  

Außerdem hilft ein gut vorbereiteter Leitfaden, keine wesentlichen Aspekte zu vergessen – auch nicht im siebten Jobinterview am Ende eines langen Arbeitstages.  

Hinzu kommt, dass häufig die ersten Vorstellungsgespräche in den Hintergrund geraten und von den Erinnerungen an die letzten Kandidaten überstrahlt werden. Diese Gefahr wird durch die strukturierte Aufzeichnung der Antworten während des Interviews minimiert.  

Merkmale strukturierter Interviews

Merkmale strukturierter Interviews 

  • Jeder Kandidat bekommt die gleichen Fragen gestellt  

  • Die Antworten können objektiv verglichen werden 

  • Es werden keine Fragen vergessen 

  • Die tatsächliche Eignung tritt in den Vordergrund 

  • Die Antworten werden notiert und können auch nach einem längeren Zeitraum abgerufen werden 

Wenn Sie Ihre Personalauswahl noch besser machen möchten oder einen Partner brauchen, der Ihnen die komplizierte Suche nach passenden Mitarbeitern abnimmt, rufen Sie uns an. Wir stehen bereit und freuen uns darauf, Ihr Unternehmen im „War for Talents“ zu unterstützen. 

Ihr Digital Vikings-Team

bhp