06 ,Jun          By Anna Jacobi

Wenn Computer nach neuen Mitarbeitern suchen, nennt man das Robot Recruiting. Bestimmte Programme helfen zum Beispiel in Unternehmen beim Aussortieren von Bewerbungen. Innerhalb kürzester Zeit durchforsten sie Hunderte von Anschreiben und Lebensläufe nach bestimmten Mustern und treffen so eine Vorauswahl.

Aber auch Daten im Internet können Personaler mit Hilfe von Algorithmen analysieren. Etwa, wenn sie geeignete Mitarbeiter erst einmal finden müssen. Dafür durchsuchen sie zum Beispiel soziale Netzwerke. Das kann hilfreich sein. Aber wie sinnvoll ist es, sich bei Bewerbungsgesprächen auf künstliche Intelligenz zu verlassen?

Auch wir lieben Technik und lassen uns gerne von ihr helfen, wo es sinnvoll ist. Algorithmen können faszinierende Dinge. Wir staunen immer wieder. Die Entscheidung jedoch, wer wirklich für einen Job geeignet ist, wollen wir nicht komplett der Technik überlassen. Wir sind uns nämlich sicher: Als Menschen können wir einige Dinge wesentlich besser als die Recruiting-Roboter. Hier ein paar Beispiele:

Wertschätzung vermitteln

Begehrte Fachkräfte aus der Digitalbranche sind selten auf Jobsuche. Unternehmen müssen sie selbst finden und sie für sich begeistern. Gerade diese Spezialisten bekommen aber regelmäßig zahlreiche Anfragen und Jobangebote. Wie können wir sie in dieser Flut auf eine tolle Stelle aufmerksam machen? Mit standardisierten Massenmails, die ein Computer generiert? Mit einer Roboterstimme? Nein. Wir sprechen sie persönlich und individuell an. Denn wenn ein echter Mensch sich die Zeit nimmt, auf jemanden persönlich zuzugehen, vermittelt das vor allem eines: Wertschätzung.

Softskills erkennen

Computerprogramme können Lebensläufe und Anschreiben nach bestimmten Keywords durchsuchen. So kann man vielleicht Kandidaten mit der richtigen fachlichen Eignung finden. Das ist aber noch lange nicht ausreichend. Ein Mensch ist wesentlich mehr als sein Lebenslauf über ihn erzählt. Was sind seine Softskills? Zeigt er gerne Eigeninitiative? Passt er ins bestehende Team? Ist er die richtige Ergänzung zu den Kollegen, die dort schon arbeiten? Passt er zur Unternehmenskultur? Das können wir im direkten Gespräch oder bei einem Probearbeiten im Unternehmen einfach immer noch am besten herausfinden.

Finden, was nicht im Internet steht

Es gibt auch ein Leben außerhalb des Internets. Ein ziemlich buntes sogar. Vielen Talenten begegnen wir nicht bei Xing oder Stepstone, sondern in der analogen Welt. Dort bekommen wir Informationen, auf die Algorithmen keinen Zugriff haben. Im diskreten Gespräch erzählt man uns gerne, was man im Internet nicht aller Welt verraten will. Bei Branchentreffen, Absolventen-Events oder Workshops treffen Menschen direkt auf Menschen. Roboter waren bis jetzt nicht dabei.

Um die Ecke denken

Innovationen kommen häufig von kreativen Querköpfen. Sie haben oft bunte, interessante Lebensläufe. Genau diese sind es aber, die besonders schnell durch das starre Raster der Algorithmen fallen. Computer sortieren solche tollen Persönlichkeiten womöglich also einfach aus. Uns kann das nicht passieren. Wir können ja um die Ecke denken. Wussten Sie zum Beispiel, dass Matthias Döpfner, Vorstandvorsitzender von Axel Springer, einmal Theaterwissenschaften studiert hat? Und hätte ein Algorithmus Arnold Schwarzenegger gefunden, als es darum ging die Stelle des Gouverneurs von Kalifornien zu besetzten? Wohl kaum.

Genau zuhören

Die eine Sache ist es, Talente zu finden und einzustellen. Was uns aber genauso wichtig ist: Wir wollen, dass sie auch langfristig bleiben. Denn was nützt es einem Unternehmen, wenn die neuen Mitarbeiter bereits nach ein paar Monaten weiterziehen? Es gilt also mit den Kandidaten gegenseitige Erwartungen abzugleichen und herauszufinden, was sie brauchen, um sich an ihrem neuen Arbeitsplatz wohlzufühlen. Dazu müssen wir gezielte Fragen stellen und Einfühlungsvermögen zeigen. Hier geht es um weit mehr als ein paar Keywords. Wir müssen genau zuhören.

Beziehungen aufbauen

Gute Recruiter verstehen sich auch als Karriereberater. Sie bauen langfristige Beziehungen zu Menschen auf. Gerade junge Talente können sich in ein paar Jahren enorm weiterentwickeln. Vielleicht passen sie heute nicht zu einem Stellenprofil, sind zu einer späteren Gelegenheit aber die perfekte Besetzung. Wenn es um Beziehungspflege geht, ist Menschlichkeit und Vertrauen besonders wichtig. Dazu gehört auch bei Absagen konstruktives Feedback zu geben.

Wissen, was im Leben zählt

Die meisten Menschen sind mehr als 40 Stunden in der Woche bei der Arbeit. Sie verbringen mehr Zeit mit ihren Kollegen und Vorgesetzen als mit Familie und Freunden. Etwa 30 Prozent aller Deutschen lernen am Arbeitsplatz sogar ihren Lebenspartner kennen. Würden Sie etwas, das eine so große Rolle in Ihrem Leben spielt, mit einem Roboter besprechen wollen? Also wir nicht.

So mancher spricht sich übrigens für Roboter als Personaler aus, weil er glaubt, dass diese objektiver entscheiden und nicht diskriminieren. Man darf dabei jedoch eines nicht vergessen: Algorithmen werden von Menschen programmiert. Sie sind nur dann fair, wenn die Menschen dahinter es auch sind