Cultural Fit im Recruiting
Killer oder Motor einer vielfältigen Unternehmenskultur?

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19.02.2020

Gleich und gleich gesellt sich gerne? Über den Cultural Fit und seine Bedeutung im Recruiting 

„Wenn wir eine/n neuen Mitarbeiter:in einstellen, sollte es nicht nur fachlich stimmen, sondern auch kulturell.
„Er/sie sollte unsere Werte teilen, um sich gut ins Team einzufügen.“ So oder ähnlich würden sich wohl die meisten Recruiter:innen und Unternehmen  zum Thema Cultural Fit äußern. Bei der Auswahl von Kandidat:innen kommt es nie allein auf  Qualifikationen an. Stets wird es eine Rolle spielen, ob auch die Arbeitsweise und die Grundhaltung der Kandidat:innen zum Unternehmen passen.  

Cultural Fit schlägt Diversity?

Gegenstimmen behaupten: Wenn in einem Unternehmen alle die gleichen Ansichten vertreten, fehlen Widersprüche und Reibungen, aus denen Neues entsteht. Das Team stagniert in seiner Harmonie-Blase - ohne Chance auf Veränderungen.  

Und widerspricht das Beharren auf gemeinsamen Werten nicht auch der Forderung nach möglichst gemischten, also diversen Teams?  Stehen sich hier womöglich zwei der wichtigsten Recruiting-Trends unserer Zeit der sich schnell ändernden Rahmenbedingungen unversöhnlich gegenüber?   

Das Thema ist offenbar etwas kompliziert. Die Frage, wie wichtig der Cultural Fit im Recruiting ist und ob bzw. wie er sich mit der Vielfalt von Teams vereinbaren lässt, ist gar nicht so einfach zu beantworten. 

Erfahrungen aus der Praxis

Am besten verlassen wir die theoretische Diskussion für einen Moment und wenden uns der Praxis zu. Als Personalberater haben wir täglich mit Unternehmen zu tun, die neue Mitarbeiter brauchen, und mit Kandidaten, die einen neuen Arbeitgeber suchen. Dabei stellen wir fest, dass sich beide Seiten eine Übereinstimmung grundlegender Werte wünschen.  

Besonders Young Professionals suchen gezielt nach Arbeitgeber:innen, mit deren Unternehmenskultur sie sich identifizieren können. Damit sind allerdings ausdrücklich nicht die vollmundigen Slogans gemeint, die sich Unternehmen gerne in Sachen Employer Branding auf ihre Fahnen schreiben. Den Kandidat:innen geht es nicht um diese meist floskelhaften Versprechen, sondern um das echte gelebte Miteinander. Sie wollen eine glaubwürdige Antwort auf die Fragen: Wofür setzen wir uns jeden Tag ein? Was wollen wir gemeinsam erreichen?  

Ein guter Cultural Fit ist aber auch für die Unternehmen von Interesse. Studien belegen, dass er zu höherer Arbeitszufriedenheit, weniger Fluktuation und zu besseren Leistungen führt.  

Vor diesem Hintergrund ist es keine Frage, dass wir bei der Suche nach passenden Kandidat:innen darauf achten, dass diese sich mit den Werten unserer Kund:innen identifizieren können. Wenn wir zum Beispiel wissen, dass bei einem Unternehmen ein frischer „Start-up-Wind weht“, suchen wir gezielt Kandidat:innen, die gerne eigenverantwortlich arbeiten, neue Herausforderungen lieben und mit sich stetig verändernden Arbeitsvoraussetzungen umgehen können.  

Cultural Fit oder Vielfalt? Beides geht!

Es ist nun einmal so: Wenn ein/e Mitarbeiter:in mit den Werten, für die ein Unternehmen steht, nichts anfangen kann, wird er/sie dort auf Dauer nicht glücklich werden. Das bedeutet aber keineswegs, dass alle Mitglieder eines Teams die gleichen Ansichten, Interessen und Lebensweisen teilen müssen. Totale Harmonie ist weder möglich noch wünschenswert! 

Cultural Fit bedeutet eben nicht kulturelle Einheit, sondern – wörtlich übersetzt – kulturelle Passung. Das heißt: Die Werte der Kandidat:innen und die Werte des Unternehmens müssen nicht identisch sein, aber zueinander passen und sich ergänzen. Verschiedene, auch gegensätzliche Charaktere können sich gegenseitig inspirieren und zu einer lebendigen Zusammenarbeit beitragen – vorausgesetzt, sie identifizieren sich mit einem gemeinsamen Ziel und teilen ein Wertesystem. Richtig verstanden, steht der Cultural Fit einem diversen Team also überhaupt nicht entgegen. 

Was bedeutet das für Unternehmen?

Der Cultural Fit hat mit Einheitlichkeit nichts zu tun – und er ist keine Einbahnstraße. Im „War for Talents“ sind Unternehmen heute mehr und mehr gezwungen, sich dem neuen Selbstverständnis junger Fachkräfte anzupassen und ihren Wertekanon zu modernisieren. Bei der Frage, was Sie Ihren Mitarbeiter:innen bieten können, geht es nicht mehr nur um Geld und Status. Immer wichtiger wird der Sinn der Arbeit. Mehr dazu in unserem Blogartikel Sinn statt Geld

Wenn Sie den Cultural Fit im hier verstandenen Sinne für Ihre Unternehmensentwicklung nutzen möchten, stellen Sie sich folgende Fragen: 

  • Worin besteht unsere Unternehmenskultur? Was ist unsere Vision, und wofür setzen wir uns ein?

  • Werden die Werte, für die wir stehen (wollen), wirklich gelebt? 

  • Haben sich unsere Unternehmenswerte gewandelt? Sind sie noch zeitgemäß? 

Jeder neue Mitarbeiter ist für Sie eine Chance, Ihre Unternehmenskultur zu stärken oder auch anzupassen.  

Wenn Sie Unterstützung bei der Suche nach passenden Mitarbeiter:innen brauchen, die Ihre Unternehmenswerte teilen und Ihr Team perfekt ergänzen, sprechen Sie uns an. Wir beraten Sie gerne und helfen Ihnen bei der Suche und Auswahl geeigneter Kandidat:innen! 

Interessant könnte für Sie auch unser Beitrag zu den verschiedenen Rollen im Team sein.

Das Wichtigste für Sie zusammengefasst:

 

  • Cultural Fit bedeutet nicht, dass alle Ihre Mitarbeiter:innen die gleichen Werte vertreten müssen. Aber Überzeugungen und Arbeitsweisen sollten zur Unternehmenskultur passen. 

  • Über diesen Grundkonsens hinaus sollte es genug Raum für unterschiedliche Lebensstile, Sichtweisen und Persönlichkeiten geben. 

  • Unternehmenswerte sind nicht zu verwechseln mit den Slogans, die sich auf vielen Karriereseiten finden. Sie sollten im täglichen Umgang gelebt werden. 

  • Überprüfen Sie Ihre Unternehmenswerte regelmäßig: Sind sie noch aktuell? Werden sie noch gelebt? 

 

Ihr Team von den Digital Vikings  

bhp