23 ,Mär          By Anna Jacobi

Hand aufs Herz: Stellen Sie in Vorstellungsgesprächen auch die immer gleichen Fragen? Und langweilen sich seit Jahren über die immer gleichen Antworten? Dann wird es Zeit, Ihr Repertoire aufzufrischen.

„Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“ oder „Was ist Ihre größte Schwäche?“ – Fragen wie diese sind von vorgestern und werden nur sorgsam vorbereitete Antworten nach sich ziehen. Wenn Sie wirklich erfahren wollen, wie gut ein Kandidat zu Ihrem Unternehmen passt, welche Werte ihm wichtig sind und wie es um seine Soft Skills bestellt ist, sollten Sie ihn mit unvorhersehbaren Fragen aus der Reserve locken.

Ich habe hier ein paar Vorschläge für Sie, wie Sie das nächste Vorstellungsgespräch für alle Beteiligten interessanter und aussagekräftiger gestalten können.

1. “Welches Adjektiv beschreibt Sie am besten?”

Natürlich ist es unmöglich, eine ganze Persönlichkeit in nur einem einzigen Wort zusammenzufassen. Aber gerade deshalb eignet sich diese Frage so gut, um herauszufinden, wie Ihr Kandidat sich selbst sieht oder wie er von anderen gesehen werden möchte.

Beobachten Sie auch, wie er auf Ihre Frage reagiert: Fällt ihm spontan eine Antwort ein, zögert er sehr lange oder muss er passen?

2. „Welche spannende Begegnung hatten Sie kürzlich?“

Auf diese Frage gibt es keine richtige oder falsche Antwort, sie lässt dem Befragten sehr viel Raum. Aus der Antwort können Sie ablesen, wie er zur Welt steht: Wie offen ist er für Neues? Worauf achtet er besonders und was ist ihm im Leben wichtig?

Interessant ist dabei, ob er von einer Situation im Beruf oder im Privatleben berichtet, wem er begegnet ist und was diese Begegnung für ihn so erwähnenswert macht.

3. „Was war das Wichtigste, das Sie in den letzten Monaten gelernt haben?“

Lernfähigkeit und Flexibilität zählen in einer sich rasant ändernden Arbeitswelt zu den wichtigsten Schlüsselqualifikationen überhaupt. Mit dieser Frage finden Sie heraus, wie ausgeprägt diese Neigungen bei Ihrem Kandidaten sind. Nennt er etwas Fachliches oder etwas Zwischenmenschliches? Lässt sich aus der Reaktion erkennen, ob er bereit ist, seine Überzeugungen zu hinterfragen und ggf. zu verwerfen?

4. „Verkaufen Sie mir diesen Keks“

Zugegeben, hierbei handelt es sich nicht um eine Frage, sondern um einen kleinen Test. Die Idee dahinter ist, dass ein souveräner Bewerber jetzt nicht ins Schwitzen und Stottern gerät, sondern charmant in die Rolle des Keksverkäufers wechselt.

Wenn Sie nach einem Vertriebs- oder Marketingspezialisten suchen und Spontaneität und Kreativität gefragt sind, mag es sinnvoll und angemessen sein, ihren Kandidaten mit einer solchen Aufgabe zu konfrontieren. Andernfalls würde ich lieber darauf verzichten. Ein Vorstellungsgespräch sollte schließlich nicht zum Stresstest verkommen.

5. „Was war der schönste Tag für Sie in den letzten 12 Monaten?”

Angeblich werden so die Job-Interviews bei Apple gerne eröffnet. Ein durchaus gelungener Einstieg, denn während sich durch diese Formulierung niemand überrumpelt fühlen muss, ist sie gleichwohl geeignet, viel über die Grundhaltungen des anderen zu erfahren.

Wenn Sie es etwas weniger „amerikanisch“ mögen, fragen Sie einfach nach dem größten beruflichen Erfolg in den letzten Monaten. Je nachdem, was Ihr Kandidat als Erfolg definiert, ob er seinen eigenen Anteil daran besonders hervorstellt oder ob er die Unterstützung durch andere betont, spricht dies Bände über seine Persönlichkeit.

6. „Was war Ihr schwärzester Tag in den letzten 12 Monaten?“

Diese Variation der vorangegangenen Frage ermöglicht Einblicke in die Problemlösungsstrategien Ihres Gegenübers und lässt erahnen, wie es sein wird, mit ihm zu arbeiten. Spannend ist nämlich nicht nur die Bewertung, was für Ihren Kandidaten einen schwarzen Tag ausmacht, sondern auch, wie er in der von ihm beschriebenen Situation reagiert hat.

Wie oben können Sie sich hier alternativ nach der größten beruflichen Niederlage Ihres Kandidaten erkundigen.

Achten Sie darauf, ob er die Verantwortung allein bei anderen sieht, wenn etwas schiefläuft, oder ob er einen eigenen Beitrag erkennen kann und ob er aus dem Schlamassel, den er angerichtet hat, etwas gelernt hat. 

7. „Was würden Sie als Unternehmer tun, wenn Sie unendlich viel Geld hätten?“

Diese Frage zählt zu meinen Favoriten. Um sie beantworten zu können, braucht es eine Mischung aus Kreativität und strategischem Denken. Gleichzeitig verrät die Antwort viel über die Werte und Ziele Ihres Bewerbers.

Passen diese Werte zu Ihrem Unternehmen und zum Team? Falls Sie das Gefühl haben, dass hier Konflikte drohen, sollten sämtliche Alarmglocken klingeln. Man muss in einem Unternehmen nicht immer einer Meinung sein, aber die grundlegenden Werte eines Teams sollten schon im Einklang stehen.

Je ungewöhnlicher die Fragen sind, die Sie im Interview stellen, desto authentischer werden die Aussagen Ihrer Kandidaten sein. Ich empfehle Ihnen aber, sich für jede Rolle und jede Runde einen Fragenkatalog zusammenzustellen, der zur ausgeschriebenen Stelle passt und der konsequent bei allen Kandidaten für diese Stelle zum Einsatz kommt. Denn nur so bekommen Sie vergleichbare Ergebnisse als Grundlage für Ihre Personalentscheidung.

Unsere Beispiele können Ihnen als Anregung dienen, um sich weitere überraschende Fragen zu überlegen, mit denen Sie Ihren Standard-Fragenkatalog auffrischen können.

Und wenn Ihnen jemand die Suche nach den passenden Gesprächspartnern abnehmen soll – fragen Sie uns. Wir machen das gerne!

Bis zum nächsten Mal
Ihre Anna Jacobi