24 ,Jan          By Anna

Wenn sich Unternehmen an uns wenden, weil sie Unterstützung bei der Suche nach dem perfekten Kandidaten wünschen, stellen wir immer wieder fest: Ganz genau wissen sie oft selbst nicht, wen sie suchen.

Besonders häufig machen wir diese Erfahrung mit Unternehmen, die sich in einem Transformationsprozess befinden und (noch) keine klare Vorstellung davon haben, wen sie wirklich brauchen, um ihre Projekte im Rahmen der Digitalisierung erfolgreich umzusetzen.

Wir setzen dann Candidate Personas ein, um uns und unseren Partnern Klarheit zu verschaffen.

Was sind Personas und wofür sind sie gut?

Personas werden ursprünglich von Unternehmen genutzt, um ihre Kunden besser zu verstehen und um ihr Marketing besser an deren Bedürfnisse anzupassen. Sie können aber auch im Bewerbungsprozess wertvolle Dienste leisten – eigentlich erstaunlich, dass sie dort bislang so selten zum Einsatz kommen.

Richtig angewandt helfen Canditate Personas, die besseren Kandidaten mit den überzeugenderen Botschaften auf den richtigen Kanälen zu erreichen und so die Bewerbungsverfahren effektiver zu gestalten.

Der Trick dabei ist, sich nicht länger an eine abstrakte Zielgruppe zu wenden, sondern an eine ganz bestimmte, wenn auch fiktive Person mit Namen, Gesicht, Hobbys und einem sozialen Umfeld.

Der anonyme „E-Commerce-Manager (m/w) mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung und guten analytischen Fähigkeiten“ ist passé, denn jetzt betritt „Stefan, 28, Experte für innovative Webshop-Features, begeisterter Snowboarder aus Hamburg mit hoher Affinität zum Abenteuer“ die Bühne. Sie werden sehen: Wenn Sie an Stefan denken, werden Sie viel treffender benennen können, worauf Sie bei Ihren Kandidaten wert legen und was Sie als Arbeitgeber zu bieten haben.

Anstelle der üblichen Leerformeln („Es warten spannende und chancenreiche Tätigkeiten in einem kreativen Team auf Sie“) werden Sie etwa das herausfordernde Start-up-Umfeld Ihres Unternehmens hervorheben, das viele spannende Begegnungen ermöglicht. Sie werden eher auf die Spielräume für eigene Ideen verweisen, statt das Monatsticket für den ÖPNV in den Vordergrund zu stellen.

Und Sie haben zugleich für sich selbst geklärt, auf welche Eigenschaften und Softskills Sie bei der Auswahl Ihres neuen Mitarbeiters achten werden, damit er perfekt in Ihr Unternehmen passt.

Wie entwickelt man eine Candidate Persona?

Schon eine einzige Candidate Persona hilft Ihnen, sich und anderen mehr Klarheit über den gesuchten Kandidaten zu verschaffen. Noch besser wären zwei unterschiedliche Profile (zum Beispiel Mann/Frau). Viel mehr sollten es aber nicht sein, damit der Aufwand gering bleibt und Sie den Fokus behalten.

Um eine Persona zu entwickeln, braucht es Menschenkenntnis und Phantasie. Vielleicht haben Sie ja eine bestimmte Person im Sinn, die für den fraglichen Posten perfekt geeignet wäre. Dann beschreiben Sie einfach, wo und wie diese Person lebt, welche Hobbys sie hat (oder welche Hobbys zu ihr passen würden), welche Werte sie vertritt und wie alt sie ist.

Ein anderer Weg ist, mit den Eigenschaften zu beginnen, die Ihnen vertraut sind: den fachlichen und beruflichen Qualifikationen. Und dann tasten Sie sich von dort aus langsam immer näher an diese Person als Mensch heran.

1. Was für eine Qualifikation wird verlangt?

– Welche Berufsausbildung und welchen beruflichen Werdegang hat Ihr Wunschkandidat oder Ihre Wunschkandidatin?

– Über welche Fähigkeiten verfügt er oder sie?

– Wie hoch ist sein/ihr Einkommen und wie sieht seine/ihre berufliche Situation aus?

2. Wie ist die persönliche Situation Ihres Wunschkandidaten?

– Wie alt ist Ihr Wunschkandidat oder Ihre Wunschkandidatin?

– Welches Geschlecht hat er oder sie?

– In was für einer Familiensituation lebt er oder sie und wo?

An diesem Punkt kommen in der Regel das erste Mal der Name und das Aussehen der Candidate Persona ins Spiel. Nutzen Sie ein Foto. Ob das ein ehemaliger Mitarbeiter, ein Bekannter oder ein Stockfoto ist, ist unerheblich. Ein solches Bild hilft nämlich bei der Beantwortung der folgenden Fragen:

3. Was für Ziele hat Ihr Wunschkandidat?

– Was treibt Ihren Wunschkandidaten oder Ihre Wunschkandidatin an?

– Was ist ihm oder ihr wichtig – im Leben und im Beruf?

– Für welche Werte tritt er oder sie ein?

4. Welche Medien nutzt er?

– Wo und wie informiert sich Ihr Wunschkandidat oder ihre Wunschkandidatin?

Sie werden sehen: Die Wirkung Ihrer Candidate Persona ist verblüffend. Jeder, der etwas über Stefan aus Hamburg erfährt, macht sich automatisch ein Bild von ihm und kann sich vorstellen, ob er ins Team passen würde und mit welchen Argumenten er für einen neuen Job zu begeistern wäre.

Candidate Personas richtig einsetzen

Wenn Sie einige dieser Fragen beantwortet haben, können Sie daraus ableiten,

– wo Sie nach Ihrem Wunschkandidaten suchen sollten,

– was ihn zu einem Jobwechsel bewegen könnte, aber auch

– was einem Jobwechsel entgegenstehen könnte.

Dabei sind die individuellen Ziele Ihrer Candidate Persona der Dreh- und Angelpunkt. Überlegen Sie, wie Sie ihr helfen könnten, diese Ziele zu erreichen.

Ein Beispiel: Wenn Sie erkannt haben, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiges Ziel Ihrer Bewerber sein kann, sollten Sie Ihre flexiblen Arbeitszeitmodelle oder die Möglichkeit, im Home Office zu arbeiten, ins Feld führen. Betonen Sie ruhig auch, wie kinderfreundlich Ihre Stadt ist und was sie im Falle eines Umzugs tun werden, um die Familie beim Ankommen und Heimischwerden zu unterstützen.

Die Vorteile von Candidate Personas im Überblick

Candidate Personas helfen Ihnen, schneller und effektiver den passenden Kandidaten zu finden.

Candidate Personas sind perfekt geeignet, um anderen zu vermitteln, wen Sie suchen. Das erleichtert den Austausch innerhalb Ihres Unternehmens oder die Kommunikation mit einem externen Recruiter, den Sie mit der Kandidatensuche beauftragen.

Candidate Personas sind vielfältig einsetzbar: Sie können nicht nur zur effektiveren Beauftragung eines Recruiters oder zur Verfeinerung der Stellenausschreibung eingesetzt werden, sondern auch, um den gesamten Bewerbungsprozess und die Einarbeitungsphase besser an die Bedürfnisse Ihrer Bewerber anzupassen. Somit sind Candidate Personas sogar ein geeignetes Hilfsmittel, um langfristig das Arbeitsklima und die Abläufe in Ihrer Firma zu optimieren.

Candidate Personas sind „wiederverwertbar“: Einmal entwickelt, können Sie immer wieder darauf zurückgreifen und ggf. Anpassungen vornehmen.

Wir als professionelle Recruiter profitieren beträchtlich von der Arbeit mit Candidate Personas, weil sie uns Aufschluss darüber vermitteln, mit welchen Argumenten wir unsere Kandidaten von einem Jobwechsel überzeugen können.