17 ,Nov          By Anna

Viele Unternehmen denken immer noch, dass sich nur der Kandidat bei ihnen bewirbt, und nicht umgekehrt. Wir sehen das anders. Im Bewerbungsgespräch gilt es, sich gegenseitig kennenzulernen und auf beiden Seiten herauszufinden, ob man wirklich zueinander passt. Das heißt, auch das Unternehmen bewirbt sich beim Kandidaten. Und der darf im Vorstellungsgespräch ebenfalls Fragen stellen – vorausgesetzt, er bleibt dabei clever und höflich.

Unsere 8 „eigenen“ Fragen helfen Dir, herauszufinden, ob das neue Unternehmen inhaltlich und kulturell zu Dir passt und ob die angebotene Roll der richtige nächste Karriereschritt für Dich ist.

1. Warum wird die Position ausgeschrieben?

Wenn es sich um eine neu geschaffene Position handelt, gibt es noch keine Vergleiche und Du hast die Möglichkeit, die Rolle zu „Deiner“ zu machen.
Sollte sich zeigen, dass es die Rolle schon lange gibt, sie aber schwer zu besetzen ist, gilt es, den Grund dafür herauszufinden. Vielleicht sind die Erwartungen zu hoch oder das Team falsch aufgestellt.

2. Warum ist diese Rolle wichtig für den Erfolg des Unternehmens?

Mit dieser Frage zeigst Du, dass Du über den Tellerrand hinaus denkst und Du bekommst ein Gefühl dafür, wo die Position im Unternehmen angesiedelt ist und was erwartet wird.

3. Kann ich das Team kennenlernen, mit dem ich arbeiten würde?

Auch wenn dieser Schritt mittlerweile für viele Unternehmen automatisch dazugehört, ist es eine gute Frage. Sie zeigt, dass Du Dir der Bedeutung von „cultural fit“ und Team-Dynamik bewusst bist.

4. Warum arbeitest Du hier? Oder: Was gefällt Dir an Deiner Arbeit hier am besten?

Mit dieser Frage triffst Du Deinen Gesprächspartner wahrscheinlich recht unvorbereitet, hast dadurch aber gute Chancen auf eine ehrliche Antwort. Du bekommst persönliche Einblicke ins Unternehmen und auch in Dein Gegenüber. Sollte dieser tatsächlich Zweifel an seinem Arbeitgeber durchscheinen lassen, sollte Dich das hellhörig machen.

Fragen macht schlau

5. Siehst Du in meinem Profil kritische Punkte?

Das ist eine mutige, aber sehr smarte Frage. Sie bietet die Gelegenheit, unausgesprochenes Unbehagen direkt aus der Welt zu schaffen – indem man z.B. über eine lange Lücke im Lebenslauf oder fehlende Qualifikationen offen spricht.

6. Wie gehst Du mit Meinungsverschiedenheiten oder Konflikten im Team um?

So erfährst Du einiges über den Führungsansatz und auch über die Persönlichkeit Deines künftigen Chefs – und natürlich über die Firmenkultur des Unternehmens. Eine weitere spannende Frage in diese Richtung könnte sein: Wie stellt Ihr sicher, dass Ihr immer innovativ seid und Euch weiterentwickelt?

7. Welche Herausforderungen kommen in der Rolle auf mich zu?

Mit dieser Frage erfährst Du die kritischen Punkte der Position und kannst daraus schließen, welche Konflikte oder welches Frustpotenzial lauern – und auch, wie offen das Unternehmen mit Schwierigkeiten umgeht.

8. Wie hat sich das Unternehmen in den letzten 2-3 Jahren entwickelt? Und wo will es hin?

Vermutlich wirst Du hier nicht die volle Wahrheit erfahren. Aber Du weißt danach, wo das Unternehmen im Markt steht und wo es gerne stehen würde. So findest Du zumindest grob heraus, ob es einen Aufwärtstrend gibt oder eine Herausforderung, an der Du Dich beteiligen möchtest.

Auch die Frage nach der Vision oder einer konkreten Unternehmensstrategie ist vielversprechend. So lernst Du die Leitlinien des Unternehmens kennen und erfährst, ob es Perspektiven gibt, die sich mit Deinen Werten und Zielen decken.

Weitere gute eigene Fragen im Bewerbungsgespräch

• Welche Aufgaben haben aus Deiner Sicht höchste Priorität?
• Gibt es noch Anforderungen, die nicht in der Stellenausschreibung genannt wurden?
• Wie würdest Du auf dieser Position beginnen?
• Wie würdest Du meinen typischen Arbeitstag beschreiben?
• Muss/darf ich in dieser Position viel reisen?
• Kann ich meinen potenziellen Arbeitsplatz einmal sehen?
• Wie sieht die übliche Einarbeitungsphase aus?
• Wer wird mein direkter Vorgesetzter sein?
• Was hat er oder sie für einen Hintergrund?
• Wie würdest Du den Führungsstil meines Vorgesetzten beschreiben?
• Wie würdest Du Eure Unternehmenskultur beschreiben?
• Wie hoch ist der Frauenanteil in Führungspositionen?
• Wer wird alles über diese Bewerbung entscheiden?
• Was müsste ich tun, um Dir die Entscheidung für mich zu erleichtern?
• Wann werdet Ihr eine Entscheidung treffen?

Meine ganz persönlichen Tipps

1. Offene Fragen stellen.

Formuliere offene Fragen, um möglichst viele Infos zu erhalten. Die Fragen lassen sich auch mit Ich-Botschaften auflockern: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass… Wie sieht das bei Euch aus?“

2. Keine dummen Fragen stellen!

Hüte Dich vor Fragen zum Unternehmen oder zum Markt, die Du locker selbst hättest recherchieren können wie „Wie viele Mitarbeiter arbeiten hier?“ Oder naiv-rhetorische Fragen wie „Ist das Betriebsklima gut?“ Unklug sind auch Fragen zu Arbeits- oder Urlaubszeiten im ersten Bewerbungsgespräch. Oder die Frage, ob Du gut warst und den Job bekommst .

3. Nicht alles auf einmal!

Natürlich gibt es unzählige interessante Fragen. Da jedoch nicht genug Zeit für alle sein wird ;-), entscheide Dich für 5-6 Fragen, die Dich wirklich weiterbringen. Je nach Gesprächsverlauf kannst Du sie einfließen lassen oder gegen Ende des Gesprächs stellen. Achte dabei unbedingt auf die Reaktion Deines Gesprächspartners. Und auf die Uhr, denn schlechtes Zeitmanagement kann negativ auf Dich zurückfallen.

Jetzt bist Du fit fürs nächste Bewerbungsgespräch. Ich wünsche dir viel Erfolg!
Deine Anna